militär-geschichte

schiessstände der preussischen armee

Das gebiet, das heute eingenommen wird von goethepark, volkspark rehberge und der siedlung jungfernheide mit Ludwig Mies‘ wohnanlage der primus heimstätten-gesellschaft wurde in der zweiten hälfte des 19. jahrhunderts für mehrere schiessplätze der preussischen armee genutzt.

Die größten unter ihnen waren die beiden schiessplätze des 2. garde-regiments zu fuss (älter und näher an der heutigen afrikanischen strasse gelegen) und des 4. garde-regiments zu fuss (jünger und näher am heutigen plötzensee gelegen).

Ihre schiessbahnen verliefen in etwa parallel zum langen fenn (mehr dazu unter dem thema landschafts-geschichte) und querten die achse der heutigen transvaalstrasse zwischen afrikanischer strasse und dohnagestell.

Die dünen der rehberge, vor allem aber die grosse sicheldüne im heutigen volkspark rehberge (carl-leid-weg) dienten den schiessplätzen als kugelfang. Die schützenstände (d.h. die stellen, an denen die waffen abgefeuert wurden) waren in etwa auf höhe der heutigen ugandastrasse angeordnet.

Die frühere militärische nutzung des streitbruchs ist bis heute landschaftsprägend. Ein beispiel dafür ist der hohlweg, der in die grosse düne des goetheparks eingeschnitten ist: Er wurde gegraben, um dort schiessbahn 13 auf dem schiessplatz des 2. garde-regiments zu fuss anzulegen. Die heutige senegalstrasse verläuft zwischen transvaal- und sambesistrasse auf der früheren schiessbahn 12 dieses schiessplatzes.

projekte zur flächenkonversion: Carl Hagenbeck

Nach aufgabe aller schiessplätze zwischen afrikanischer strasse und plötzensee blieb eine militärische konversionsfläche zurück, die seinerzeit noch ausserhalb der berliner stadtgrenze lag. Ihr eigentümer war der preussische forst-fiskus.

Die stadtverwaltung berlins, der preussische staat und das unternehmen von Carl Hagenbeck strebten als konversionsprojekt zunächst die einrichtung eines tierparks auf dieser fläche an. Nach Hagenbecks tod im jahr 1913 betrieben seine erben das projekt zunächst weiter, dennoch verlief es während des ersten weltkrieges im sand.

projekte zur flächenkonversion: wohnungsverband gross-berlin

Daraufhin bemühte sich der wohnungsverband gross-berlin, die konversionsfläche für den bau einer siedlung nutzbar zu machen. Dazu erwarb der zweckverband das gelände vom preussischen forst-fiskus.

Obwohl der wohnungsverband gross-berlin nach der bildung der stadt gross-berlin aufgelöst wurde, brachte er in das projekt der siedlung jungfernheide letztlich eine finanzielle förderung und die militärische konversionsfläche des streitbruchs ein.

Deshalb ist nicht unwahrscheinlich, dass in diesem bereich bei garten- oder erdarbeiten metallische gegenstände gefunden werden, beispielhalber gürtelschnallen, uniformknöpfe, kettenglieder, teile von zaumzeug, nägel von holzgestellen für schiessscheiben, hufnägel oder patronenhülsen.

siedlung jungfernheide